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fragmented reassembled news


I
nterview der Woche
geführt mit Barbara Musil und Gunda Wiesner, den beiden »Köpfen« von FRAGMENTED REASSEMBLED

Wann haben Sie zuletzt Ihr Leben nach einem Fernsehtermin gerichtet?

Gunda Wiesner: Das passiert mir eigentlich häufiger, als ich selbst glaube. Tatort am Sonntag zum Beispiel ist für mich schon zu einem richtigen Einschlafritual geworden.

Wie sind Sie, die Sie Fernsehen unter anderem als »Schlafmittel« benutzen, zu diesem Projekt gekommen, das doch auch ganz andere Qualitäten des Mediums verhandelt?

Barbara Musil: Auslöser war eine klassische Situation der Ressourcenknappheit und wahre Geschichte: Eine junge Künstlerin möchte einer für sie sehr wichtigen Person ihr erstes Werk zeigen. Technische Geräte fehlen. Ein Besuch im Elektrohandel macht das eben noch Unerreichbare möglich: DVD rein, 120-mal Kunstvideo. Der Eindruck ist überwältigend.

Worin liegt die Besonderheit des Präsentationsortes »Saturn«?

G.W.: Also einerseits triumphiert dieser Ort wegen der extrem großen Menge an Fernsehgeräten. Das gibt es selten wo, vor allem im Kunstbereich nicht. Da werden ca. 120 Monitore zu einer Wand zusammengestellt, die x-fach das gleiche Bild zeigt. Das bekommt etwas sehr Verführerisches.

Haben Sie sich schon einmal einen Fernseher gekauft?

B.M.: Nein.

Was ist das Einzigartige am   Videoprogramm von FRAGMENTED REASSEMBLED?

G.W.: Das Programm ist speziell auf das Aufführungsformat zugeschnitten. Es gibt eine Schiene mit Videos, die sich mit dem Thema Fernsehen und dessen Formaten auseinandersetzen. Und dann gibt es noch einen Schwerpunkt mit Videos, die sich mit der Multiplizierung des Bildes formal beschäftigen.

Da im privaten Fernsehalltag aber öfter die ZuseherInnen als die Fernsehgeräte in der Überzahl sind, folgende Frage: Gibt es Ihrer Ansicht nach die oft zitierten Konflikte durch klischeehaft geschlechtsspezifische Fernsehvorlieben wirklich? Was sind Ihre Erfahrungen?

B.M.: Einerseits untergräbt die Tatsache, dass zuhause nur ich, als die einzige weibliche Seherin, Sport sehen will , die verbreitete Vorstellung in Bezug auf weibliche, respektive männliche Fernsehinteressen; andererseits bin ich bei High Society und Starmania deutlich belastbarer als meine männlichen Mitseher. Zum Glück sprechen also genau so viele Beispiele für das Klischee wie dagegen .

Was ist momentan Ihre liebste Fernsehwerbung?

G.W.: Die Bankwerbung mit Hermann Maier als Minigolfplatzbesitzer. Aber ich liebe eben Hermann Maier; leider sind wir einander noch nie persönlich begegnet.

Das Programm von FRAGMENTED REASSEMBLED ist etwas ungewöhnlicher als das, was normal im Fernsehen zu sehen ist. Wird es das Publikum sofort annehmen?

G.W: Es wird vor allem für Verwirrungen sorgen. Wir arbeiten absichtlich mit diesen kleinen Irritationsmomenten, zum Beispiel konnten wir die ORF-Nachrichtensprecherin Elisabeth Buchmann als Programmansagerin gewinnen. Auch viele Kunstvideos täuschen auf den ersten Blick vor»echte« Fernsehformate zu sein: Werbung, Nachrichten etc. Das Publikum wir sich in jedem Fall schon auch fragen und wundern.

Würden Sie in der Millionenshow mitmachen?

G.W: Nur wenn man mich darum bittet.

B.M.: Erst der Ernstfall würde zeigen, ob Geldgier oder die Angst vor einer Blamage obsiegt.

Danke für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!